Von Kitty Hawk zu Flugtaxis: Ein Jahrhundert der Innovation für die Luft- und Raumfahrt

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Von Kitty Hawk zu Flugtaxis: Ein Jahrhundert der Innovation für die Luft- und Raumfahrt

An einem Tag im Jahr 1903 nahe Kitty Hawk, North Carolina, USA, haben Orville und Wilbur Wright die Wahrnehmung des erdgebundenen Daseins für immer verändert: Plötzlich war es vorstellbar, in einer motorisierten Flugmaschine, die schwerer als Luft war, überall hinzufliegen.

Der erste erfolgreiche Flug der Gebrüder Wright läutete ein Jahrhundert bis dahin unvorstellbarer aeronautischer Meisterleistungen ein: Menschen würden auf dem Mond landen, mit dreifacher Schallgeschwindigkeit um die Welt fliegen und mithilfe  teleskopischer Geräte einer Beobachtungsstation im Weltall tiefe Einblicke in das Universum gewinnen.

Als inoffizieller Timken Historiker für Luft- und Raumfahrt katalogisiert Wayne Denny mit großer Freude die vielfältigen Beiträge, mit denen Timken dazu beigetragen hat, die Luft- und Raumfahrt voranzutreiben.

2019 hat Timken Diamond Chain erworben, sehr zur Begeisterung von Wayne Denny, denn dieses Unternehmen spielte für den Flug in Kitty Hawk eine wichtige Rolle. Die Gebrüder Wright verwendeten Produkte von Diamond Chain für ihr Fahrradgeschäft. Für sie war es naheliegend, Diamond Chain Ketten auch für ihre Flugmaschinen zu nutzen.

„Das ist ein Dreh- und Angelpunkt, der uns bisher gefehlt hatte“, sagt Wayne Denny. „Unsere ersten unternehmerischen Tätigkeiten sind mit der anfänglichen Entwicklung von Drehflüglern verbunden. Mit dem Erwerb von Diamond Chain können wir unser Unternehmen jetzt auch bis zum Flieger der Gebrüder Wright zurückverfolgen.“

Wayne Denny leitet die globalen strategischen Marketingaktivitäten Timkens und fungiert gleichzeitig als inoffizieller Historiker des Unternehmens für den Bereich Luft- und Raumfahrt.

Als die Gebrüder Wright ihren zukunftsweisenden Flug unternahmen, existierte Timken bereits. Seither hat das Unternehmen bei fast jedem neuen Flugzeug eine Rolle gespielt.

„Seit Beginn der Luftfahrt werden überall im Flugzeugbau Timken Produkte eingesetzt“, sagt Wayne Denny, ausgebildeter Physiker, der heute die globalen strategischen Marketingaktivitäten für Präzisionsartikel von Timken unterstützt. „In den Dreißigerjahren war der “B-17 Flying Fortress”-Bomber mit ungefähr 240 Timken Lagern ausgestattet – in den Motoren, im Fahrwerk, an den Landeklappen und den Federbeinen. Wir waren allgegenwärtig, als die Alliierten im 2. Weltkrieg nach robusten, langlebigen Lagerlösungen suchten.“

„Das hat uns auf den Weg gebracht, auf dem wir uns auch heute bewegen: die Fertigung von Produkten für praktisch alle kommerziellen Flugzeuge“, sagt Wayne Denny. So produzierte Timken Lager für die Douglas DC-3, ein komfortables und zuverlässiges Flugzeug, das die kommerzielle Luftfahrt revolutionierte und als Industriebranche rentabel machte.

Die Douglas DC-3 revolutionierte die kommerzielle Luftfahrt.

Der Hubschrauber: Verwirklichung eines lebensrettenden Traums

Flugzeuge waren jedoch erst der Anfang. In den Vierzigerjahren wurde der Hubschrauber entwickelt – eine schwierige, lebensbedrohliche Herausforderung. „Denn, wenn der Motor eines Flugzeugs ausfällt, bewegt sich das Flugzeug wenigstens immer noch vorwärts, und früher oder später werden Sie irgendwo landen“, sagt Wayne Denny. „Im Hubschrauber dagegen gibt es nur ein Getriebe. Ein Teil, das die Rotorblätter antreibt. Dabei ist es absolut notwendig, dass die Rotorblätter in Bewegung bleiben.“

Timken Ingenieure arbeiteten eng mit den visionären Igor Sikorsky und Frank Piasecki zusammen, die die ersten funktionstüchtigen Hubschrauber entwickelten. Der R-4 von Sikorsky war der erste Hubschrauber, der in hohen Stückzahlen verkauft wurde. Aufgrund seiner Fähigkeit zum Schwebeflug sowie des Flugs nach oben, unten und seitwärts wurde er sowohl militärisch als auch zivil für lebensrettende Einsätze genutzt – eine Tatsache, die Sikorsky sehr stolz machte.

„Jedes Mal, wenn ein Hubschrauber einen Menschen aus einer Notlage rettet, verwirklichen wir Igor Sikorskys Traum“, sagt Wayne Denny.

Die SR-71: Der Beweis, dass unsere Vorfahren wussten was sie tun

Wayne Denny räumt ein, dass die Lockheed SR-71 Blackbird, ein Aufklärungsflugzeug, das von 1964 bis 1998 von der U.S. Air Force eingesetzt wurde, eine besondere Faszination auf ihn ausübt. Das Aufklärungsflugzeug – der Öffentlichkeit für viele Jahre vorenthalten – war für Flüge über Mach 3 ausgelegt, also mehr als die dreifache Schallgeschwindigkeit. Statt mit Waffen war es mit Aufklärungskameras bestückt. „Die einzige Verteidigungstaktik der SR-71 bestand darin, die Schubkrafthebel nach vorn zu schieben und die Geschwindigkeit zu erhöhen“, sagt Wayne Denny.

Wenn Wayne Denny heute eine SR-71 Blackbird sieht, stellt er sich vor, dass sie zur Landung ansetzt – immer noch glühend heiß. „Die SR-71 ging an die Grenzen des technisch Machbaren.“ Ihr 1976 aufgestellter Fluggeschwindigkeitsrekord für luftatmende Strahltriebwerke – 2.193,2 Meilen pro Stunde (3.529,6 km/h) – gilt auch heute noch.

Unterstützung der ersten bemannten Mondlandung

Timken war seit den Anfangsjahren an der Raumfahrt beteiligt, später auch mit verschiedenen Unternehmen, die ebenfalls eine Rolle spielten, darunter die MPB Corporation, Philadelphia Gear und Torrington. Das Leitsystem, das die Mondlandefähre des Raumschiffs Apollo 11 zur Mondoberfläche brachte, funktionierte einwandfrei, auch dank der Timken Wälzlager. Die US-Weltraumbehörde NASA verwendete dasselbe System im Jahr 1970, um die Astronauten der Raumfahrtmission Apollo 13 sicher zur Erde zurückzubringen, nachdem das Hauptleitsystem durch die Explosion eines Sauerstofftanks beschädigt worden war.

„Die Tatsache, dass wir am Leitsystem beteiligt waren, das Astronauten zum Mond brachte, ist für mich eine der schönsten Erinnerungen“, sagt Wayne Denny.

Intensive jahrzehntelange Kundenbeziehungen

Gern erinnert er sich auch an den Start des Space Shuttle Atlantis 2010 zurück, den er gemeinsam mit seiner damals sechsjährigen Tochter angesehen hat – und wie er ihr von den Timken Wälzlagern erzählt hat, die die sichere Rückkehr der Astronauten möglich machten.

„In der Luft- und Raumfahrt geht es oft um Leben oder Tod“, sagt Wayne Denny. „Meine Erfahrung ist, dass dies Menschen oft zu Bestleistungen anspornt. Wird die Luftumwälzanlage im Raumanzug eines Astronauten funktionieren? Wird die Turbine auch bei hohen Drehzahlen, Höchsttemperaturen und unter Volllast ihre Leistung bringen? Bleibt das Hubschraubergetriebe selbst bei fallendem Öldruck funktionsfähig? Es muss“, sagt er. „Diese Herausforderungen dienen als Aufruf zum Handeln und sorgen für eine Offenheit und Gründlichkeit, die von allen geteilt wird.“

Und unter “allen” versteht er in diesem Zusammenhang das Timken Team, ebenso wie die Kunden. „Wenn wir mit einem Partner eine Markteinführung planen, dann bedeutet das etwas für uns“, sagt er. „Unsere Kundenbeziehungen sind intensiv.“

Wayne Denny erinnert sich daran, wie er seinen ersten Timken Aerospace-Kunden kennenlernte. „Ich befragte ihn zu seinen Ansichten, wie unsere beiden Unternehmen zusammenarbeiten könnten“, sagt er. „Er sah mich an und meinte, ‘Wir sind zusammen in der Raumfahrt tätig seit … seitdem die USA im Weltraum aktiv ist.’“

„Das ist eine Beziehung, die ich verstehen kann“, sagt Denny.

Luft- und Raumfahrtprojekte sind oft langfristige Projekte mit einem Entwicklungszyklus von acht bis zehn Jahren. „Projekte, die es in die Produktion schaffen, repräsentieren einen langen Lebenszyklus an Möglichkeiten zur Produktunterstützung“, sagt Wayne Denny. Zum Ausbau seiner Aftermarket-Kompetenzen im Aerospace-Bereich erwarb Timken 2005 das Unternehmen Bearing Inspection Inc. (BII). BII verkauft seit mehr als 60 Jahren Inspektions-, Überholungs- und technische Dienste für Wälzlager in der Aerospace-Industrie.

Wenn ein Flugzeug einmal die Produktionsstufe erreicht, ist das häufig mit jahrzehntelangem Service verbunden. „Das älteste Verkehrsflugzeug ist eine Boeing 737, die 1970 produziert wurde“, sagt Wayne Denny. „Dieses Flugzeug fliegt seit fast 50 Jahren drei oder vier Mal am Tag und ist für mich ein technisches Wunderwerk.“

Aber es sind nicht nur Flugzeuge, die hin und wieder gewartet werden müssen. Im Mai 2009 unternahmen Astronauten – ausgerüstet mit Miniatur-Elektrowerkzeugen – einen Weltraumspaziergang, um delikate Reparaturen am Hubble-Weltraumteleskop vorzunehmen. Timken Ingenieure waren an der Entwicklung der Werkzeuge beteiligt, in denen ein speziell entwickeltes Präzisionskugellager der Dünnringserie verwendet wurde, das auch unter den extremen Betriebstemperaturen und im Vakuum des Weltraums funktionsfähig blieb. Bis heute sendet das nahezu 30 Jahre alte Teleskop Informationen über die Geheimnisse des Universums zurück an die Erde.



Die Orbit City der Jetsons: Eine Realität in unserer Lebenszeit?

Die meisten Objekte, die wir in den vergangenen 60 Jahren in den Weltraum befördert haben, umkreisen die Erde ohne großes Aufsehen und erleichtern unser tägliches Leben auf vielfältige Weise. „Timken arbeitet seit Langem an GPS-Systemen“, sagt Wayne Denny. „So produzieren wir äußert präzise, langlebige Wälzlager für die gyroskopischen Stabilizer zahlreicher Satelliten.“

„Ich staune immer wieder über die Auswirkung der GPS-Technik auf so viele Aspekte unseres Lebens“, sagt er. „Wenn Sie jetzt über Flugroboter oder Drohnen als Flugtaxis nachdenken, bin ich überzeugt davon, dass GPS dabei eine wichtige Rolle spielen wird.“

Moment mal … Flugtaxis?

Ja, sagt Wayne Denny, wir wollen gar nicht abstreiten, dass Timken frühzeitig Diskussionen mit Kunden aufgenommen hat, die an der Entwicklung von Jetson-ähnlichen Flugrobotern (Drohnen) arbeiten. In naher Zukunft werden Städte vielleicht nicht mehr nur seitwärts, sondern auch nach oben hin wachsen.

„Es ist wirklich faszinierend, weil man nicht weiß, was zuerst passieren wird – ein brauchbares Flugtaxi oder die dazu notwendige Infrastruktur“, sagt er. Flugtaxis würden Bodenradaranlagen, entsprechende gesetzliche Regelungen und Support erfordern. „Wenn wir uns die überfüllten Megastädte und das Bedürfnis für sichere, effiziente Personenbeförderung ansehen, wird schnell klar, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben“, sagt er.



Das Flugtaxi Bell Nexus mit Elektro-Hybrid-Antrieb macht aus einer 45 Minuten langen Autofahrt einen 10-minütigen Flug.

Enormes Wachstum in Aussicht

Ganz gleich, wie die Zukunft der Luft- und Raumfahrt aussehen wird – Wayner Denny sieht sie als anhaltende positive Kraft, die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Regionen zusammenbringt, um voneinander zu lernen.

„Das Wachstumspotenzial ist enorm“, sagt er. Boeing und Airbus rechnen mit der Fertigung von mehr als 44.000 Flugzeugen in den nächsten zwei Jahrzehnten, während die Commercial Aircraft Corp. of China (Comac) im Aufstieg begriffen ist und in derselben Zeit neue kommerzielle Flugzeuge an den chinesischen Markt liefern wird.

„Dieses Wachstum wird die menschliche Erfahrung der Welt verändern – wenn wir verstehen, wie klein die Welt doch ist und wie ähnlich wir uns alle sind“, sagt Wayne Denny.

Er freut sich auf die Zusammenarbeit mit Timken Kunden, die sich die Flugmaschinen des 21. Jahrhunderts vorstellen, sie entwickeln und produzieren werden. „Wir stehen dabei als Partner zur Verfügung, um ihren Produkten Auftrieb zu verleihen und schwierige Probleme einfach aussehen zu lassen“, sagt er.

„Was auch immer das Schwerste, das Schnellste, das Erste oder das Beste ist – genau dafür machen wir uns stark. Und deshalb sind wir seit Langem so erfolgreich.“